Kafka // Der Bau

FESTIVAL // TEILNAHMEN

 

KAFKA//DER BAU
ist die letzte Erzählung Kafkas, die JÖRG SCHULZE-NEUHOFF unter der Regie von STEFAN MEIßNER als Solostück auf die Bühne bringt.

In den Tiefen der Erde hat es sich eingenistet, sich ausgebreitet und ein Labyrinthsystem geschaffen, das ihm allein gehört. Doch ist dieses Heim auch wirklich sicher? Etwas aus der Stille Geborenes scheint den Kontrollverlust heraufzubeschwören. Wo und vor allem wer ist der Feind, der ihm auflauern und ihm seinen hart erarbeiteten Besitz streitig machen wird?

 ”Nein, ich beobachte doch nicht, wie ich glaubte, meinen Schlaf, vielmehr bin ich es, der schläft, während mein Verderber wacht.”

Die 1924, kurz vor seinem Tod entstandene, unvollendete Erzählung stammt aus dem Nachlass von Franz Kafka und wurde 1931 von seinem Freund Max Brod postum veröffentlicht.
Mit diesem Theaterstück wird der Schauspieler in die Gedankengänge dieses Menschtieres eintauchen und die Zuschauer mitnehmen auf eine Reise in die Welt der Angst vor dem Unbekannten und des Zweifels. Das Spielgeschehen findet nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum statt. Dabei gibt es durchaus auch charmante Momente. Die Inszenierung löst sich von der scheinbaren Schwere des Stoffes und ermöglicht dem Zuschauer, zu einem Teil der Welt des Wesens zu werden und somit dessen Bau zu teilen.

GEDANKEN // GÄNGE

So unvollendet wie die zugrundeliegende Erzählung Kafkas, so open-ending scheint die Suche des Menschen nach Verständnis – Geborgenheit, nach Frieden in und mit sich sowie mit der Umwelt und den Mitmenschen. Diese Suche ist zu beobachten zwischen Völkern, Ländern, Kontinenten bis hin zum Kontakt und Austausch zwischen Ober- und Unterwelten – dem Irdischen und dem Göttlichen, dem Dies- und dem Jenseits.
Franz Kafka befand sich im Spannungsfeld der Sprachen, die er sprach, schrieb, dachte und lebte, der Religion, der Familie, der Gesellschaft und sich selbst. Er erlebte intensiv und extrem die Schwankungen zwischen Gesundheit und Erkrankung, die Spannung zwischen Gehorsam und Trotz, zwischen Glauben und Zweifel, Hoffnung und zeitweiliger Resignation. Er war wie ein Wanderer in und zwischen den Welten…Aus seinen Erfahrungen erwuchsen seine Werke, von denen „Der Bau“ den unvollendeten Abschluss bildet.
Der Protagonist des Baus, ein Wesen, welches der Bau ist – und es doch nicht ist…, scheint, nach Halt suchend und Grenzen überschreitend, auch in jedem von uns zu existieren, der seine menschlichen Grundbedürfnisse zu erfüllen sucht. Auch wir sind irgendwie wie im Bau…Wobei in diesem Werk die Sprache Kafkas das Unaussprechliche zu transportieren vermag. Auf faszinierende Weise tragen die Emotionen hinter den Worten, flackert eine Essenz zwischen den Zeilen des Monologs, wird der Inhalt der Erzählung tief bis in die Innenwelt des Zuschauers hinein getragen.
Das Mensch-Tier oder der Tier-Mensch reflektiert sein Leben, seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und tut dies abwechselnd philosophisch, selbstironisch, messerscharf analytisch, aggressiv, verzweifelt oder gepeinigt und verängstigt, aber nicht ohne Hoffnung und Glauben. Das Wesen sucht, nach Lösung oder Erlösung, nach einem Sinn:

„Es liegt vielmehr ein Plan vor, dessen Sinn ich nicht durchschaue…“

Unser Plan ist es, mit unserer Aufführung Menschen in „Der Bau“ zu locken, um sie aus ihrem „Bau“ heraus zu locken und sie dann wieder dorthin zu entlassen. Zu einer Vorstellung einzuladen, der dem, der daf

ür offen ist, eine Selbsteinkehr erlaubt, die sich mit nach Hause nehmen lässt. „Der Bau“ bietet Übertragung und Gegenübertragung mit Gewinn – ganz ohne Therapie.
Ja, das ist bestimmt ein hoher Anspruch, aber uns ist „Kafka//Der Bau“ eine Herzensangelegenheit und Kafka bedeutet so viel mehr als „Paranoia“ oder „Schwerer Stoff“ , und so machen wir es dem Zuschauer, bei aller Intensität des Themas und der Darstellung, angenehm. So ist der Plan, unser Plan… Wir freuen uns auf und fordern heraus zu eigener Interpretation, zur Diskussion, zur Kritik, denn

„… die Welt ist mannigfaltig …“!

AB // GESPIELT